Z.B. Hüttenfreizeit
Ort: Mähnhütte bei Kochel a.See
Datum: 21.05.02 bis 25.05.02
Gruppe: Gruppe 3 Jugendhaus Don Bosco Penzberg
Betreuer: Stefanie L., Jens K. (Erzieher und Erlebnispädagoge)
Unsere Ziele:
- Schaffung eines Kontrastes zum Gruppenalltag
- Erholungsphase nach den Turbulenzen der verg. Wochen
- Gestalten eines völlig neuen Umfeldes
- Kontrast zum Leben im Heim (jeder sorgt für sich und erlebt mögl. Konsequenzen)
- Konsequenzen f. Fehlverhalten bzw. Verweigern oder Unterlassen aktiv spüren
- Soziales Lernen in der Gruppe
- Kooperation in Form von gemeinsamem Handeln
- teilselbständiges Planen der Aktion
- Befähigung zu selbständiger
Regelaufstellung u. Konfliktbewältigung
- Befähigung, eigenes Verhalten zu reflektieren
- weitere Zielsetzungen diverser Art u. Weise mit konsequenter Umsetzung
- erweitern der der eigenen Handlungsmöglichkeiten
- erleben von Herausforderung, Spannung, Abenteuer
Umsetzung der gesteckten Ziele:
- Gruppe „erfindet“ eigene Regelungen z.B. bei häuslichen Tätigkeiten oder bei Unstimmigkeiten/Konflikten
- Erzieher nehmen dabei meist beobachtende Position ein und handeln unterstützend
- Learning bei doing
- regelmässige Reflexion am Abend
- Kurzreflexion nach jeder Teil-Aktion
- Rituale (z.B. gemeinsames Lied)
- erlebnispädagogische Einheiten
- sportliche Herausforderungen
- Naturerfahrungs- u. Umweltspiele
- Kooperationsspiele / Gruppendynamik
- Vertrauensübungen
- Leben in und mit der Natur als neues Erfahrungsfeld
- Entscheidungsfreiheit der Gruppe in diversen Teilbereichen
- Lebensbewältigung (Alltag) in einer Hütte ohne Strom und warmem Wasser
Grobablauf der Freizeit:
voraus gingen ca. 4 Wochen Planung und Organisation der beiden Betreuer unter Mithilfe des ganzen Teams.
in den letzten 5 Tagen wurden die Kinder aktiv an den Vorbereitungen beteiligt, z.B. wir packen unsere Ausrüstung, wir kaufen für 5 Tage Proviant ein, Planung der Fahrt- und Marschroute, ...
1. Tag :
Abfahrt nach Kochel und Aufstieg zur Hütte (ca. 2 Std.), der VW-Bus transportiert nur das Gepäck zur Hütte. Einrichten der Hütte, Einteilung erster Dienste (kochen, Tisch decken, Duschen im Freien organisieren) Die Gruppe macht selbständig eigene Regeln aus.
Erkunden der näheren Umgebung und Hinweis auf mögliche Gefahren / Verbote / Naturschutz / Verhalten usw.
2. Tag:
- Geplante und von den Teilnehmern (im Folgenden durch TN abgekürzt) in Eigenverantwortung geführte Wanderung zum Jochberg.
- Unterwegs verschiedene Stationen u. Umwelterlebnisse
-Reflexion des Tages / Analyse von Fehlverhalten der anderen Bergtouristen bzw. auch eigenen Gruppenmitgliedern
- Vorbereitung fürs geplante Biwak
- Durchführung (Schlafen im Freien ca. 50 m von der Hütte entfernt, da Wettersituation unklar.)
3. Tag
- häusliche Tätigkeiten (Ordnung machen, Betten bauen, Mahlzeiten vorbereiten, spülen etc.
- Nachbereitung Biwak mit Besprechung (Ängste, Probleme, Erlebnisse)
- Freispiel / Erholungsphase (für manche TN recht schwierig, da ungeplant)
- nachmittags erlebnispädagogische Abenteueraktion (König Laurin und der Schatz der Berggeister)
Grundsätzliches zum Thema Spielaktionen:

Die Gruppe erhält eine klare umrissene Aufgabenstellung. Diese hat den Charakter eines Angebots, das angenommen oder abgelehnt werden kann. Die einzelnen Modalitäten der Aufgabe werden aber meist von der Spielleitung bereits im Vorfeld festgelegt und sind nicht Gegenstand gemeinsamer Planung oder Verhandlungen.
Die Herausforderung richtet sich an die ganze Gruppe. Die TN arbeiten mit- und nicht gegen einander. Der Erfolg wird entweder gemeinsam oder gar nicht erreicht! Da es weder SiegerInnen noch eine Rang ordnung gibt, hat die Kooperation einen zentralen Stellenwert. Teamar- beit ist gefor- dert beim gegenseitigen Zuhören, bei der Kompromissbe- reitschaft in der Entscheidungsfindung, Nutzung der Stärken und Rück sichtnahme der Schwächen einzelner TN.
Die Aufgabenstellung wirkt subjektiv anspruchsvoll. Eine Lösung zeichnet sich zunächst nicht ab, zumindest ist der Weg dorthin nicht unmittelbar überschaubar. Andererseits muss die Aufgabe nach dem Ermessen der Spielleitung mit den der Gruppe zur Verfügung stehenden Mitteln lösbar sein. Die Bewältigung einer solchen als anspruchsvoll erlebten Aufgabe führt in der Regel zu eindrucksvollen Erfolgserlebnissen.
Die Bewältigung der Aufgabe erfordert von allen TN Einsatz und Engagement auf mehreren Ebenen:

physisch: Meist ist eine körperliche Aktivität gefordert.
Motorische Fähigkeiten wie Geschick, Kraft, Schnelligkeit, Gleichgewicht kommen
ins Spiel. Die physische Herausforderung steht auf den ersten Blick oft im
Vordergrund (z.B. Überwinden von Hindernissen).
kognitiv: Eine Lösung lässt sich meist nicht mit bereits bekannten und vertrauten Handlungsmustern erzielen. Der Schlüssel des Erfolgs liegt im überlegten Einsatz der verfügbaren Ressourcen. Planungs- und Entscheidungsprozesse haben daher einen hohen Stellenwert.
emotional: Die TN müssen sich aufeinander und auf etwas
Neues einlassen. Elemente von Risiko und Wagnis können dabei sein: sich
Gedanken über die eigenen Bedürfnisse machen und diese äussern, Hilfe und
Verantwortung für andere übernehmen, sich selbst helfen lassen, körperliche
Nähe und Berührung zulassen.
Mögliche individuelle pädagogische Ziele:
Förderung der Handlungskompetenz
- folgerichtig denken
- körperlich geschickt und kraftvoll agieren
- eigene Entscheidungen treffen
- Belastungen und Konflikte aushalten
Förderung der Erlebnisfähigkeit
- sich in seinem Körper gut fühlen
- intensiv erleben und geniessen können
- eigene Gefühle und Bedürfnisse wahr und ernst nehmen
Förderung des Selbstwertgefühls
- eigene Stärken und Handlungsmöglichkeiten entdecken
- Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln
- das eigene Tun als bedeutungsvoll erleben
- Mut entwickeln, sich mit Neuem und Unbekanntem auseinander zu setzen
- eigene Grenzen erkennen und akzeptieren
Förderung der Kommunikationsfähigkeit
- anderen zuhören
- offen und direkt kommunizieren
- gemeinsam planen und entscheiden
Förderung der Interaktionsfähigkeit
- Kompromisse aushandeln und Regeln einhalten
- helfen und sich helfen lassen
- Initiative und Verantwortung übernehmen
Förderung der Sensibilität
- eigene Impulse zurückhalten können
- Toleranz und Akzeptanz für Verschiedenheit entwickeln
- die Grenzen anderer respektieren
Kurze Beschreibung der durchgeführten erlebnispädagogischen Spielaktionen
Gefängnisspiel:
Die Gruppe versucht gemeinsam nur mit Hilfe eines Balkens aus einem „Gefängnis“ auszubrechen. Dieses stellt ein im Dreieck zwischen Bäumen gespanntes Kletterseil dar. Das Seil darf weder berührt noch untschritten werden. Es ist in ca. 1.20 Höhe gespannt.
Hauptrollen : Erwin. Romina und Karoline sorgen für Motivation, Initiative und Ideen
Passiv : Klaus, Benni und Richard; sie kommen fast nicht zu Wort und es fehlt ihnen teils an Motorik aber auch kognitiven Fähigkeiten
Michi gab zwischenzeitlich auf, als seine Ideen sich als nicht erfolgreich herausstellten
Romina beharrte darauf, dass wir keine aktive Hilfe leisten (trotz einer mittlerweilen Spieldauer von über 60 Minuten!) und reagierte völlig übertrieben und bockig darauf. (ich musste einmal wegen Verletzungsgefahr eingreifen)
Anschliessend erste Reflexion, alle Gemüter waren sehr erregt und nach einer kurzen Pause gings weiter...
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Rettung am Mt. Everest:
Die Gruppe spielt TN einer Expedition am Mt. Ev., die plötzlich und unerwartet in ein schlimmes Unwetter gerät. Die TN werden daraufhin in drei Grüppchen gesprengt, jede besteht jeweils aus einem Blinden, einem Stummen und einem Fusslahmen. Der Bergführer der Expedition (Karola) muss nun versuchen, die 3 Grüppchen zu retten, indem sie ihnen nacheinander in Basislager hilft.
Besonderheiten: Erwin kann nicht akzeptieren, dass Karoline der Bergführer ist und nicht er. Er steigt kurz aus und muss dann intensiv motiviert werden, weiterzuspielen.
Karoline nimmt ihre Rolle sehr ernst und meistert die Sache souverän
Betreuer erhielten ebenfalls Rollen und nahmen aktiv teil
Auswahl des Geländes war nicht optimal, meines Erachtens zu steil
Spinnennetz:
Die TN kommen zu einem überdimensionalen Spinnennetz (ein zwischen 2 Bäumen gespanntes Seil in Form eines Netzes) und müssen versuchen hindurch zu kommen. Jeder TN darf aber nur eine Öffnung benutzen und diese Öffnung ist dann gesperrt. Die unteren Öffnungen können duchkrabbelt werden, die oberen können aber nur mit Hilfe der anderen TN (tragen, hindurchschieben...) bewältigt werden.
Bei Berührung des Netzes fängt das Spiel von Neuem an, bzw. im Laufe des Spiels änderte ich die Regel auf 3 Versuche.
Die Gruppe benötigte mehrere Anläufe und agierte erst recht spät als „Gruppe“.
Erwin übernimmt (widerstandslos) die Führungsrolle, teils mit wirklich guten Ideen, er scheitert jedoch 2 mal, d.h. Neuanfang.
Es traute sich keiner, ihm zu widersprechen, erst nach einigen Hilfen übernahm Karoline und Romina das Steuer und auch Benni hatte einige interessante Lösungsvorschläge parat.
Klaus und Richard waren bei diesem Spiel eher passiv, konnten sich gegen die anderen nicht durchsetzen, übernahmen nur angewiesene Tätigkeiten.
Am Abend fand auf Wunsch der Gruppe eine ausführliche Erlebniserzählung (Reflexion) statt, in der sehr viele wichtige und von mir oben genannte Auffälligkeiten angesprochen und von fast allen genau benannt werden konnten.
4.Tag: 
Wanderung zum Trimini (2,5 Std.), mit Aufenthalt und Brotzeit (2 Std.). Anschliessend Wanderung zurück zur Hütte (1,5 Std.!!!).
Karoline und Erwin sind den Weg (ca. 5 km nur berauf) fast durchgerannt, sie wollten mir und sich selbst was beweisen. Später folgte auch Michi der anfangs recht unmotiviert und motzend hinterhertrottete.
Erst nach ca. 30 Minuten Spott und Gelächter der Kleinen über ihn wurde er wütend und rannte an der ganzen Gruppe vorbei bis zur Hütte...
Vorbereitung Abendessen und Besprechung des folgenden Abreisetags.
5.Tag:
- gemütliches Frühstück, anschliessend gemeinsames Packen und Aufräumen. Alle beteiligten sich anfangs sehr intensiv, teilweise wurden die TN schnell unmotiviert und die ersten Ermahnungen wurden ausgesprochen. Aufgrund dessen verzögerte sich die Heimfahrt um mindesten 1,5 Stunden.
Der Weg wurde wieder per pedes zurückgelegt, der Transporter fuhr das Gepäck.
Treffpunkt am Parkplatz, Heimfahrt nach Penzberg.
Auspacken, verstauen, kollektives Duschen und waschen, Nachbereitung
Reflexion als Methode
Die Reflexion stellt bei einer solchen Aktion einen der wichigsten Punkte dar und sollte deshalb besonders ins Auge gefasst werden. Sie ist der ausschlaggebende Punkt dafür, dass die Aktionen in den Alltag transferiert werden können.
Die Gelegenheit, das Erlebte emotional zu verarbeiten und sich darüber auszutauschen, ist ein entscheidender Faktor dafür, dass das Spielerlebnis zu einer Lernerfahrung werden kann.
Im Idealfall liegen Aktions- und Reflexionsphase möglichst nah bei einander. Auswertungs-gespräche sollten zukunftsorientiert sein. Der Blick geht nach vorne, nicht „zurück zum Zorn“. Wenn die TN beispielsweise die Überlegungen und Kenntnisse aus der Reflexion als Kapital sehen können, das ihnen bei der Bewältigung kommender Herausforderungen helfen kann, erhält diese einen ganz praktischen Stellenwert.
Bei einer längerfristig angelegten Arbeit sollte mit der Zeit auch versucht werden, Transferbezüge zu Lernsituationen mit ähnlicher Struktur in Schule, Familie (Heimgruppe) und Freizeit herzustellen. Natürlich bedarf es bei der Reflexion einiger Regeln - ich nenne sie Abmachungen - um eine konstruktive Gesprächsatmosphäre zu erlangen. Diese Regeln sind sozusagen geläufige Gesprächs- und Feed-back- Regeln.
Wir haben bei unseren Aktionen folgende Reflexionsmöglichkeiten genutzt:
-nach jeder Spielaktion Daumenbefragung (die TN zeigen mit dem Daumen nach oben bzw. unten)
- ausführliches Reflexionsgespräch an jedem Abend oder in „brenzlichen“ Situationen
- ausführliche Nachbesprechung der Aktionen
- Nachtreffen ca. 2 Wochen nach der Aktion
- Auffrischen des Themas und Erlebnisaustausch der Kinder und Leiter z.B. anhand der Fotos
- Malen von Eindrücken nach Musik (Wasserfarben, Wachsmalkreide)
jeder malt für sich in Ruhe und Schaffung einer gemütlichen Atmosphäre mit Kerzenlicht und leiser Entspannungsmusik
- ständiges Wiederholen und Erzählen lassen des Erlebten und versuchen einen Transfer in den Alltag herzustellen (z.B. Wenn du die anstrengende Wanderung auf den Jochberg geschafft hast, wirst du wohl auch deine Aufgaben hier bewältigen können...).
Wenn man eine Freizeitaktion einmal unter o.g. Gesichtspunkten betrachtet enthält sie also ein enormes Mass an Pädagogik. Egal, ob man nur ein paar Stunden mit „Erlebnispädaogik“ verbringt oder eine ganze Ferienfreizeit nach einem solchen Konzept plant, fest steht, dass es allen TN und auch Teamern einen riessen Spass bereitet.
Mit dem richtigen Konzept wird die Gruppe nach und nach immer enger zusammenwachsen und voneinander leben können.
Der Heimbereich ist hierfür ein idealer Sektor, weil hier Gruppen längerfristig zusammenleben und somit im Laufe der Zeit wirklich Änderungen eintreten werden!Wir haben in unserer Gruppe beobachtet, dass es nach der Freizeit für die meisten TN viel besser möglich war, sich zu einigen. Sei es in Sachen Regeln, bei Diensten zusammenhelfen, selbständig Regeln abmachen oder Lösung von Konflikten.
Auch die Kommunikation hat sich verbessert - man kann es im Gruppengespräch merken.
Die Gruppe reagiert sensibler auf Stärken und Schwächen Einzelner, hilft zusammen und regelt die vielen kleinen Dinge des Alltags häufiger untereinander, bevor die Erzieher zu Rate gezogen werden.
Nicht zuletzt ist mir aufgefallen, dass einzelne TN immer noch häufig über Vorfälle der Freizeit im Detail Bescheid wissen und hierzu Fragen stellen. Besonders im Bereich Umwelt / Natur wurden wichtige und prägende Eindrücke hinterlassen.
Jens
Mehr zum Thema Erlebnispädagogik:
http://www.bundesverband-erlebnispaedagogik.de/
http://www.uni-lueneburg.de/einricht/erlpaed/institut_intro.htm